szmmctag

  • Jul = Weihnachten?

    Hejsan,
    jo, nun geht mein Auslandssemester schon straight aufs Ende zu. Inzwischen wiederholen sich schon die Rituale vom Wintersemesteranfang: Neue Austauschstudenten, die auf der Suche nach Orientierung und einem Dach über dem Kopf durch die Straßen ziehen und LTH-Erstis, die verkleidet, saufend und grölend durch die Straßen ziehen. So viel Zeit ist nun schon ins Land gegangen.
    Drum will ich euch auch über die letzten coolen Dinger vom vergangen und dem neuen Jahr aufklären.
    Fangen wir einfach mal beim Level 2 meines Schwedischkurses an. Unser Lehrer hieß Sandy Åkerblom. Ein richtiger Mann, ohne Scheiß, obwohl ich daran gezweifelt hab, bevor ich ihn kennen lernte. Die erste Steigerung bestand schonmal darin, dass der Lehrer meistens Schwedisch sprach und nicht wie zuvor Englisch. Er redete zwar langsam und deutlich, aber trotzdem mit nem richtig schönen Skåne-Dialekt. Ich hab den Typen sehr gemocht. War aber teilweise schon herausfordernd, z.B. als wir uns auf Schwedisch über die Zukunft der Welt auslassen durften. Wenigstens war das grammatisch nicht allzu kompliziert. Der Höhepunkt des Kurses war aber zweifelsohne sich Entschuldigen: Dazu bekamen wir Zettel, wo verschiedene witzige Unfälle draufstanden (z.B. dass das Kind den Mercedes des Nachbarn rosa angemalt hat), und man sollte dann den Geschädigten anrufen und um Entschuldigung bitten. Unnötig zu erwähnen, was für amüsante Dialoge dabei entstanden sind.
    Das Thema Zukunft hatten wir dann aber sogar in der mündlichen Prüfung, wo wir uns außerdem über eine umweltfreundliche Stadt unterhalten sollten. In der schriftlichen Prüfung musste ich ähnliche witzige Sachen schreiben, z.B. eine Beschwerde an einen zu lauten Korridornachbarn oder eine Datingseitenannonce für einen Freund.
    Auch im Chor war es spannend: Im November durfte ich bei meinem ersten Chorkonzert dabei sein, dem Herbstkonzert in der Aula vom Unihauptgebäude. Dieses Konzert entstand in Kooperation mit dem Männerchor der "vereinten Nationen". Das Konzert war richtig fetzig. Hier mal ein paar Highlights: Das Lied "Styrman Karlsons äventyr med porslinspjäsen" (etwa: Steuermann Karlsons Abenteuer mit dem Porzellantopf) fängt folgendermaßen an: "Schnelle Fingerbewegung zwischen den Lippen." Wer sich darunter keinen Klang vorstellen kann, einfach mal ausprobieren. Dann wird verständlich, warum ich das nicht machen konnte, ohne nen kleinen Lachanfall zu kriegen. Aber noch davor wars fast noch peinlicher: Davor sang nämlich der Männerchor ein Lied ohne uns. Ich und mein Nebenmann hatten das aber nicht mitbekommen und fingen einfach an, bis wir feststellten: "Oh Scheiße, falsches Lied!" Zum Glück dauerte das nicht so lange, wie man jetzt vermuten könnte. Das andere lustige Lied war "Euphoria" von Loreen. Genauergesagt die Version, die wir zusammen mit dem Männerchor als Zugabe gesungen haben. Die vom Männerchor hatten das Lied nämlich nicht geprobt, darum wurden sie angehalten, zu improvisieren. Death Metal-Licks von den Bässen in mancher Strophe und schmetternde Tenöre im Refrain waren die Folge.

    Herbstkonzert

    Die Spannung dieses Konzerts ging aber noch zu steigern, als es aufs Konzert am Luciatag zuging. Der Luciatag geht wahrscheinlich auch auf eben diese Heilige zurück, aber so richtig kümmert sich hier keiner darum. Die Hauptsache dabei ist, eine typisch schwedische Tradition zu feiern und Weihnachtsstimmung zu genießen. Dazu gabs dann auch nen speziellen Dresscode: Alle trugen ein weißes Gewand, das sog. Lucialinnen. Die Lucia trug dazu ein rotes Band um die Taille und eine Krone mit Blattgeflecht und Kerzen. Die anderen Mädels trugen einen Lorbeerkranz auf dem Kopf und eine Kerze in der Hand. Die Jungs trugen eine Sternjungenmütze auf dem Kopf und manche auch einen Stern in der Hand, die anderen auch eine Kerze. Und niemand von uns trug Schuhe, stattdessen dicke weiße Socken. Die Lieder mussten alle auswendig sitzen, wahrscheinlich weil das Notenheft zusammen mit der Verkleidung nicht stilecht ist oder was auch immer. Jedenfalls wars spannend bis zuletzt, die ganzen Songs auswendig zu lernen. Das Linnen hab ich mir dann im Kaufhaus besorgt (überlege sogar, es zu behalten und es als Nachthemd zu verwenden) und dann konnts losgehen. Wir fuhren das Konzert 3x an dem Abend, weils so beliebt war. War auch jedes Mal ordentlich gefüllt. Pannen wie beim Herbstkonzert gabs dieses Mal nicht, aber das hatte schon was, wie wir da alle komplett in weiß und mit Kerzen in die Aula einzogen. Die Kerzen hatten nur den Nachteil, das man manchmal heißes Wachs auf die Hand bekam. Aber eine unserer 3 Lucias hatte es noch ärger erwischt: Sie bekam sogar Wachs ins Gesicht, während die anderen Lucias das Zeug nur in die Haare bekamen. War aber n geiles Konzert mit echt tollen englischen und schwedischen Weihachtsliedern.

    Luciakostüm

    Ein weiterer Höhepunkt im Dezember war die Tour auf den Marktplatz mit der "Pannkakskyrkan" (zu deutsch: Pfannkuchenkirche). Wir trafen uns vorher bei Credo und machten Pfannkuchenteig und Kaffee, dann packten wir Grill, Tisch, NTs und sonstiges Equipment zusammen und marschierten los. Die Leute freuten sich enorm über die Pfannkuchen, den Kaffee und die Gespräche mit uns. Die verschiedensten Leute trafen wir dabei: Schüler, Studenten, Ältere. Die Studenten wurden zwar mit fortschreitender Stunde betrunkener, aber trotzdem wars ein sehr gesegneter Abend.

    Dazu gabs natürlich Weihnachtsfeiern überall, im Labor, bei Credo und in meinem internationalen Hauskreis. Im Labor haben wir neben dem Wichteln auch richtig nerdige Laborspiele gespielt, z.B. am schnellsten mit dem Mund pipettieren oder ein Gel über den Flur balancieren. Bei Credo gabs allerhand zu erraten, z.B. Geschenke, Promis mit Weihnachtsmannmütze oder Weihachtslieder. Weihnachten (schwedisch: Jul) ist hier auch ne ziemlich große Sache, überall in den Fenstern und in der Stadt sieht man irgendwelchen Lichterschmuck und ich hab das Gefühl, dass viel Aufwand betrieben wird, größtmögliche Gemütlichkeit zu erzeugen. Sozusagen als Gegenbewegung zur winterlichen Dunkelheit.
    Das eigentliche Weihnachtsfest + Silvester hab ich dann aber doch daheim verbracht, darum gibts an dieser Stelle von mir nichts typisch Schwedisches zu erzählen.

    Nun hab ich nur noch etwas mehr als 5 Wochen über hier im schönen Schweden, was aber nicht heißt, dass nichts weiter passieren wird. Im Februar z.B. steht Knävlingagille an, das bedeutet ein ganzes Wochenende Party, inklusive Ball und ein Chorkonzert. Ganz abgesehen davon, dass ich schon eifrig am Abschlussreport meines Praktikums werkle und am Ende auch was präsentieren werde. Es bleibt also spannend.

    Bis denne
    der Dieter

  • Auf dem Weg vom Novisch zum Deutschschweden

    Hejsan,
    jo, einiges passiert die letzten Tage.
    Z.B. war am 28.9. das große Novischfest, sozusagen die Erstiparty von den Tornanations (die Nations, die an der Tornastraße liegen, 5 an der Zahl). Da meine Nation dazugehört, wollte ich mir das nicht entgehen lassen. Zuerst gabs ein feines Dinner im großen Saal der AF-Burg, so richtig mit Dresscode (bloß gut, dass ich meinen Anzug hier dabei habe) und edlem 3-Gänge-Menü. Parallel dazu gabs auch n bissl Programm mit nem witzigen Film über die Nations und Reden von den Inspektoren der Nations. Nach diesen Reden feierten die Leute der jeweiligen Nation richtig ab, so in etwa, wie ich das in Deutschland bis jetzt nur beim Fußball oder so was Ähnlichem gesehen hatte. Ist schwer zu beschreiben, aber ich fands voll lustig. Und dann war da auch ne Truppe Trommler in schicken Uniformen und die haben richtig eingeheizt, die Leute sind voll abgegangen und haben ihre Servietten in der Luft herumgeschwungen. Richtig fett. Was die Leute mit den Servietten noch gemacht haben: Sie haben daraus so ne Art Ohrenkappe gebastelt und sich das auf den Kopf gesetzt. Sah einfach nur albern aus, wie Micky Maus! Und die Moral von der Geschichte: Schweden stehen auf verrückte Aktionen. Die ganze Aktion hat zwar 300 SEK gekostet (etwa 35 €), aber das hat sich gelohnt.

    Novischfesten

    Am Tag nach dem Novischfest war ich bei nem internationalen Potluckdinner mit meiner Mentorgruppe eingeladen. Potluckdinner heißt: Jeder bringt was mit, in diesem Fall eine Spezialität seines Landes. Zu diesem Zweck hab ich mal den Systembolaget nach deutschem Bier durchsucht. Dazu ne Packung Schwarzwälder Schinken und ab gings. Unsre Mentoren Benjamin und Martin hatten verschiedene Sorten eingelegten Hering, Knäckebrot, Köttbullar und gebratene Falukorv (Fleischwurst) vorbereitet. Unser Brasilianer brachte „Brigadero“ mit, das ist in etwa Schokomuß in kleinen Portionen und Streußel drauf. Die Amerikanerinnen brachten Salat mit und die andere Deutsche nen Zupfkuchen. Schöne Sache. Im Laufe des Abends stellte sich heraus, dass Benjamin sehr musikalisch ist und voll gut Gitarre spielen kann. Also spielte er was. Ich bekam auch eine Gitarre, die ich dann mal als Bass, mal als Trommel benutzt hab. Fetzig! Er hatte auch einen alten Bass, den ich mir ausleihen durfte. Stark!
    An dem Tag, wo ich den Bass bei ihm abgeholt hatte, war „zufällig“ auch Vorsingen und Probe vom Tornachor. Also hab ich spontan auch vorgesungen, sprich ein Lied meiner Wahl gesungen („Dir gebührt die Ehre“ in der schwedischen Originalversion) und ein paar Töne vom Piano nachgesungen. Daraufhin wurde ich als Mitsänger in der Stimmlage 2. Bass im Chor aufgenommen. Preist den Herrn! 2 andere Leute im Bass sind übrigens auch Deutsche. „Die strammen und standfesten Deutschen!“ war der Kommentar eines schwedischen Mitsängers dazu. :D Vom Repertoire hab ich noch nicht viel mitbekommen, aber ich denke mal, es besteht hauptsächlich aus traditionellen schwedischen Volksliedern. Auch ein schönes kulturelles Erlebnis. Auch wenn diese Lieder oft vom Trinken handeln. Aber angesichts der sich nahenden Weihnachtszeit üben wir auch ein paar christliche Lieder ein (z.B. „Bereden väg för Herran“ = Bereitet den Weg für den Herrn)
    Eines schönen Samstags war ich mit ein paar Leuten in Helsingborg. Das liegt etwas nordwestlich von Lund an der Küste. Drum gabs dort auch ne echt steife Brise. Und einen Tropical Beach. Kein Scheiß, Palmen in Schweden! Und ein Wegweiser Richtung Karibik. Ohne Worte…

    Tropical Beach HelsingborgWegweiser in wärmere Gefilde

    Das 1. Level vom Schwedisch-Kurs, den ich grad nehmeist kürzlich zu Ende gegangen. Am 24. hatte ich meine mündliche Prüfung und kurz danach die schriftliche. Für die mündliche Prüfung durften wir selber Gruppen à 3 Leute bilden, nur möglichst nicht alle mit derselben Muttersprache. Was bei den vielen Deutschen im Kurs etwas schwierig war. Aber ich war in einer Gruppe mit einer anderen Hallenserin und einer Japanerin. In der Prüfung mussten wir dann über eins von 3 Themen diskutieren: Essen, Hobbys oder Familie und Beziehungen. Wir zogen das Blatt mit letzterem Themenkomplex. Beim ersten Gespräch waren wir in ner Nation und mussten einfach nur einander vorstellen. Beim 2. Gespräch gings darum, wie unsere Familien aussehen, ob wir schwedische Freunde haben u.ä. War alles in allem ne schöne Sache. Bei der schriftlichen Prüfung mussten wir ein paar Fragen zur Grammatik beantworten und ein paar Infos von ner abgedruckten Internetseite und von nem Zeitungsartikel raussuchen. Und bei den letzten 2 Aufgaben mussten wir selber jeweils einen Text über 50, bzw. 100 Wörter schreiben. Ich hab bestimmt noch nie ne SMS mit ner Einladung ins Kino mit 50 Wörtern geschrieben, aber sei's drum. Im 2. Text gings darum, etwas über die Sehenswürdigkeiten des eigenen Heimatlandes zu schwärmen, genauergesagt, sie einem imaginären Brieffreund zu beschreiben, der einen besuchen möchte. War auch ganz lustig.
    Wozu ich aber sagen muss, die Sprache fällt mir ziemlich leicht. Vielleicht, weil ich Deutscher bin und die Sprachen sich ähneln, wahrscheinlich aber auch, weil Gott mir ne gewisse Begabung für Sprache geschenkt hat, wofür ich sehr dankbar bin. Denn man ist im Grunde in jedem Land erst dann ab besten integriert, wenn man die Landessprache sprechen kann. Und eine Laborkollegin hat mir mal gesagt, dass man dann am besten die Gefühle eines anderen berühren kann, wenn man seine Sprache spricht. Von daher gehört es auch zu meinen Zielen, auf Schwedisch von Jesus erzählen zu können.
    Vielleicht dauert es auch gar nicht mehr so lange, bis ich das kann. Immerhin hab ich die letzte Predigt bei Credo auch ohne Übersetzung fast komplett verstanden. Prisa Herren! (=Preist den Herrn!) Er fing so an, dass ein Coach von ner Fußballmannschaft dem Team vor dem Spiel was Ermutigendes sagt, wie z.B.: „Hier seid ihr gewesen, und durch hartes Training seid ihr nun so weit gekommen. Ihr könnt das schaffen!“ Und zu dieser Kategorie gehören auch die Worte von Paulus im Epheserbrief Kap. 2, V. 1-7. Dort beschreibt der Apostel zuerst, wo die Christen in Ephesus vorher waren: Tot durch den Ungehorsam gegenüber Gott. Woraufhin dann aber das große ABER kommt: Durch Gottes Gnade und überreiche Güte wurden sie lebendig gemacht, und nicht durch eigenen Verdienst. Dazu hat der Prediger ein paar echt interessante Sachen gesagt: Rechtfertigung bedeutet mehr als nur Vergebung. Viele Menschen arbeiten hart und versuchen, gut zu sein, um ihrem Leben eine Legitimation zu verleihen, sich selbst eine Daseinsberechtigung zu verschaffen oder einen Lebenssinn. Wer aber zu Gott gehört, hat die Legitimation für sein Leben durch Seine Gnade und braucht dafür nichts zu tun. Der Prediger gab diesem für mich abgehobenem philosophischen Begriff „Rechtfertigung“ eine ziemlich existenzielle und praktische Bedeutung.
    Was das Verständnis aber auch erleichtert hat, war, dass er ziemlich langsam und deutlich gesprochen hat und mit viel Gestik.
    War auch in der Stadtbibliothek gewesen. Bevor ich mir etwas ausleihen konnte, musste ich mir eine Karte besorgen. Das ging superschnell. Ich musste mich bloß ausweisen und einen PIN-Code wählen, und schon hatte ich eine Karte in der Hand, die ich sofort benutzen konnte. Schönes Ding! Hab mir 2 DVDs (Kalle Blomkvist und Pippi Långstrump) und einen Comic besorgt. Sich die Filme mit schwedischen Untertiteln anzugucken fetzt! Einmal haben wir uns nach dem Schwedisch-Kurs im Sprachzentrum auch nen schwedischen Film mit schwedischen Untertiteln angeguckt, „Kopps“ hieß der. Superlustig! Da gings um einen Trupp Polizisten in ner verschlafenen schwedischen Kleinstadt, in der faktisch nichts passiert. Deswegen soll die Station geschlossen und die Beamten auf andere Stationen verteilt werden. Da die Polizisten aber sehr aneinander hängen, lassen sie sich was einfallen, um die Verbrechensstatistik ein bisschen anzupassen…
    Letzten Sonntag hab ich nen Ausflug mit ein paar Leuten von meiner Studentenunion gemacht. Ich war schon drauf eingestellt, ein bisschen schwedisch zu üben, aber es fanden sich sehr viele Ausländer in der Reisegruppe. Wir sind mit dem Rad nach Skrylle gefahren, ein Wäldchen in der Nähe von Lund. Wetter war super, da konnten wir ungestört die Landschaft genießen und die Herbstbäume. Die Rückfahrt mit den Mädels war auch superlustig, weil wir mehrmals anhielten, um Fotos zu schießen. Die will ich meinen geschätzten Lesern natürlich nicht vorenthalten.

    See in SkrylleAuf dem Rückweg von der Skrylletour

    Habe eines schönen Samstagabends mit Freude eine heilige Pflicht erfüllt: Ich war mit einigen Leuten von Credo bei einer lustigen Sache namens „Kaffevagnen“. Das hieß, wir stellten uns in der Nähe der Östgöta Nation (wo grade Party war) mit Kaffee und heißer Schokolade auf und verteilten dies und (wo möglich) die Gute Nachricht an die Leute. Die meisten freuten sich enorm über ein warmes Getränk (war auch schon ganz schön kalt an dem Tag) Dementsprechend waren auch einige offen für ein Gespräch über Gott.

    Kaffevagnen

    Zum Schluss ein kleiner Ausflug in die Politik: Etwa zur gleichen Zeit wie in Deutschland wurde auch in Schweden die Wehrpflicht abgeschafft. Darum hat nun auch die Försvarsmakten (wörtl. Verteidigungsmacht) ein Nachwuchsproblem. Die Antwort darauf ist eine ziemlich offensive Werbekampagne. Im Fernsehen und auf Spotify läuft immer mal wieder ein Spot von der Armee. Wo aber zum Glück nicht (oft) die Gelegenheit gepriesen wird, böse Terroristen abzuschießen. Nein, laut den Spots ist die Försvarsmakten hauptsächlich bei Naturkatastrophen im Einsatz. Etwas anders würde wahrscheinlich auch eher nicht zum Image des Landes passen.

    Bästa hälsningar,
    Dieter

  • Genetik, Geburtstag und Gefechte

    Hejsan,
    so, nun schreiben wir schon die 3. Woche seit Anfang meines Laborpraktikums. Auf der Bench neben mir sitzt dabei mein Mitpraktikant Philip, ein echter Österreicher. Er vermisst wahrscheinlich jetzt schon die Berge. Demnächst jedoch geht er sich ein Gewand kaufen.*
    In den ersten Tagen wurden wir im Labor rumgeführt, wir haben Lösungen gemixt und die wichtigsten Methoden einmal unter Anleitung durchgespielt. Meine Betreuerin heißt Cecilia, und meine Aufgabe besteht darin, zu ihrem Projekt ein paar schöne Ergebnisse beizusteuern. Für mich bedeutet das, dass ich einen Plan bekomme, was ich herausfinden und welche Experimente ich machen muss, und der Rest ist meine Sache. Ich kann meinen Tag relativ frei gestalten und selber planen, wann ich was mache. Zeitdruck habe ich dabei (zumindest im Moment) eher wenig, von daher ist das durchaus angenehm. Und ich denke, je mehr ich das Projekt durchdenke und je mehr ich davon verstehe, desto interessanter wird’s auch für mich. Es geht zwar dabei um Hefegenetik, ich bin mir aber grade nicht sicher, ob ich in meiner Zeit auch mal lebende Hefe zu Gesicht bekomme. Denn meine Arbeit besteht im Grunde darin, ein Protein (später auch noch ein anderes) mit verschiedenen DNA-Stückchen zusammenzumischen und zu gucken, was passiert. Wer an den Details interessiert ist, kann mich gerne fragen. Ansonsten will ich meine geschätzten Leser jetzt nicht mit zu viel Fachchinesisch vergraulen.
    Indes ist es für mich etwas schwierig, mit den schwedischen Kollegen ins Gespräch zu kommen. Denn am Mittagstisch versammelt sprechen sie natürlich schwedisch, und das mit High Speed, und da hab ich derzeit noch keine Chance, mitzukommen. Der Ausweg besteht für mich darin, einfach irgendein Thema auf Englisch anzufangen. Das funktioniert mal mehr, mal weniger gut, aber ich komm langsam rein. Abgesehen davon braucht es auch deswegen Zeit, weil beide Seiten natürlich auch reserviert sind. Aber es wird schon gut werden. Mit einigen verstehe ich mich ja schon auch gut.
    Und es gibt ja nicht nur Schweden in dem Gebäude. Wir haben einen Japaner, einen Chinesen (Xiao Xiao, mein Mitbewohner), eine Polin, Lateinamerikaner, Slowenier, eine Ukrainerin, einen Afrikaner und noch ein paar Österreicher und noch eine Hamburgerin. Und Philips Betreuerin Ahu kommt aus der Türkei. Also ne durchaus bunt gemischte Truppe.
    Die Schweden sind ja für flache Hierarchien und Familienfeeling im Kollegium bekannt, und das ist mir hier auch stark aufgefallen. Meine Professorin z.B., die Marita, ist supernett, mit ihr kann man sich klasse unterhalten. Sie wird fast nur noch übertroffen von Lars Hederstedt, genannt Lasse. Soweit ich das verstanden habe, ist er in etwa das „höchste Tier“ im Gebäude. Auch er ist einfach superfreundlich, zeigt Interesse an den Leuten im Labor und hat sich die Schaffung einer familiären Atmosphäre hier zum erklärten Ziel gesetzt.
    Im Labor gibt’s nen Plan, wer wann fürs Kaffee machen und Milch holen verantwortlich ist. Und die Profs werden dafür genauso eingeteilt wie alle andern auch. Für mich war es aber schon etwas verwunderlich, als ich Lasse mit ner Palette Milch ankommen sah. Sowas hab ich in Deutschland noch net erlebt.
    Aber abgesehen von der Arbeit gabs noch ein paar schöne Episoden in der letzten Zeit. Am Montag vor 2 Wochen hat mich Christoph Harendt, ein Freund aus Halle, besucht. Und am Donnerstag kam auch meine Muttsch hier an für 5 Tage. Am Wochenende war auch was los, was wir uns angucken konnten. Am Samstag war in Lund „Kulturnatten“, also Kulturnacht. Aber auch am Tag war voll viel los in der Stadt, überall Musik und andre Kunstsachen wie Capoeiravorführungen und Judo. Und die Riesensause von den Erstis der LTH, der technischen Hochschule in Lund. Auch dazu zogen überall verschieden verkleidete Trupps durch die Stadt, und ich dachte mir frei nach Obelix: „Dauernd laufen hier verkleidete Typen rum. Die spinnen, die Schweden!“ Dazu später mehr.

    Muttsch, ich und die LTH-Erstis

    Am Sonntag war ja dann auch mein 24. Jubiläum, darum hatte ich für Samstag meine hiesigen Freunde zum Reinfeiern eingeladen. Und es hat richtig gerockt. Elizabeth, meine Nachbarin aus Singapur, brachte einen Kuchen und Knallbonbons mit. Und eine Postkarte aus Singapur mit selbstgeschriebenem Text hintendrauf. Von Stephanie, einer Chinesin, hab ich nen Kühlschrankmagneten aus ihrer Heimat Xiamen und noch eine Glückwunschkarte bekommen, auf der jedoch eine 23 und keine 24 drauf stand. Darum ihr Kommentar auf Facebook („Vergiss es nie, du bleibst immer 23!“). Und Viktor, ein Brasilianer, hat sich im Sytembolaget in Unkosten gestürzt und ne Flasche Wodka mitgebracht. Zum Glück hatten Christoph und ich vorher im Supermarkt auch Cola gekauft.

    B-Day!!

    Und um Mitternacht war es dann soweit: Knallbonbons gezündet, Kuchen angeschnitten, Geschenke überreicht. Christoph hatte ja schon bei seiner Ankunft ein paar schöne Sachen aus der Heimat ausgepackt: Hallorenkugeln und Hasseröder. Aber am Samstagabend dann der Höhepunkt: Ein Jumboglas Nutella! Yeah! Jetzt bin ich vorbereitet auf die kurzen Tage! ^^

    Der Christoph und icke

    Am Sonntag haben Christoph und ich uns erstmal ausgeschlafen. Dann haben wir Muttsch in der Stadt abgeholt und sind zu einem ganz besonderen Spektakel gefahren, der Regatta der LTH-Erstis. Die fand in einem Teich auf dem Campus statt. Zuerst gabs als kleines Vorprogramm eine Synchronschwimmeinlage. Und dann ging es los: Jeder Fachbereich (genannt Gilde) hatte ein Boot aus Styropor plus eine Mannschaft von 2-3 Leuten. Pro Runde wurden 3-4 Boote zu Wasser gelassen. Danach war es die Aufgabe der Mannschaften, die jeweils gegnerischen Boote zu zerstören, bzw. das eigene zu verteidigen. Ausschwärmen der Mannschaften war offenbar ausdrücklich erlaubt. Nach den Kampfhandlungen hab es einen weiteren Startschuss, woraufhin der Rest der Gilden ins Wasser sprang und versuchte, möglichst viel von den Trümmern für sich zu bergen. Prädikat: Einfach nur herrlich. Sowas sieht man echt nicht alle Tage. Die Boote waren auch sehr kreativ und liebevoll gestaltet. Eins sah aus wie eine Burg, ein anderes wie ein Iglu, ein Maß Bier, eine Katze oder ein Star-Wars-Raumschiff. Das war echt voll lustig anzusehen.
    Und nun, last but not least: Gemeindeerfahrungen. Am Sonntag vor meinem Geburtstag war ich im englischsprachigen Nachmittagsgottesdienst der Pfingstgemeinde. Dieser wird hauptsächlich von den Afrikanern gestaltet und die meisten Besucher waren auch Afrikaner. Dementsprechend war es echt emotional, temperamentvoll, mit viel „Halleluja!“ und „Preist den Herrn!“ und voll lebendig. Ich hab vorher noch nie so einen fetten und harmonischen A-capella-Lobpreis gehört, die einzige Begleitung war eine Djembe, eine afrikanische Trommel. Die Predigt hat der neue Pastor gehalten, der sich als „Schwarzer im Körper eines Weißen“ zu erkennen gegeben hat. Die Predigt war dieselbe, die er schon im Vormittagsgodi gehalten hatte, nur halt auf Englisch. Es war aber auch eine starke Botschaft. Die Predigt war Teil der Reihe mit dem Titel „Ich liebe meine Gemeinde.“ Und dieser Satz ist in erster Linie nicht von einem Menschen zitiert, sondern von Gott. Er sagt das z.B. in Jesaja 62,5 (Wie ein junger Mann sich an seiner Braut freut, freue ich mich an dir), was der Pastor auch stark betont hat. Und: Die Gemeinde ist Gottes Plan A, sich auf dieser Welt zu offenbaren (Epheser 1, 22+23). Das bedeutet entsprechend Verantwortung für uns, wie wir unser Leben führen und unseren Mitmenschen begegnen. Denn es könnte sein, dass sie kein anderes Bild von Jesus bekommen, als das, was wir ihnen liefern.
    An nem Dienstagabend, wo ich mit Christoph in der Stadt spazieren ging, kamen wir „zufällig“ bei Credo vorbei. Der Gottesdienst war zwar schon zu Ende, aber wir gingen trotzdem rein, bekamen noch was zu essen und unterhielten uns mit den Leuten. Credo ist ne Studentengruppe ähnlich wie Campus für Christus. Dementsprechend treffen sich dort Leute aus verschiedenen Gemeinden. Jeden Dienstagabend gibt’s da einen Gottesdienst mit verschiedenen Gastpredigern von überall aus Schweden und manchmal auch von außerhalb. Und die Themen dort sind nicht trocken und akademisch, nein nein, da werden Themen des lebendigen Glaubens besprochen wie Mission, Prophetie, Anbetung und Gottes Stimme hören. Das rockt. Und sie sind anerkannt und gefördert von namhaften Organisationen wie der AF. Vergangenen Dienstag war ich auch beim Gottesdienst und die Predigt war ne starke Philosophiestunde im C.-S.-Lewis-Stil. Zu Gast war Ellis Potter, ein gebürtiger Amerikaner, der jetzt in der Schweiz Pastor ist. Er hat uns verschiedene Weltsichten, namentlich Monismus, Dualismus und Trinitarismus, vorgestellt mit folgendem Ziel: Wir sollen anderer Leute Ansichten kennen und verstehen, nicht nach dem Motto „Kenne deinen Feind“, sondern als Basis für liebevolles Verständnis und Freundschaft mit Nichtchristen.
    Es gibt sicherlich einige Gemeinden und christliche Gruppierungen in Lund. Aber die, die eine internationale Arbeit anbieten (sprich englischer Godi, Übersetzungsdienst und/oder Hauszelle), kann man an einer Hand abzählen. Namentlich sind das die Domkirchengemeinde, die Pfingstgemeinde, Credo und Ad Fontes. Letzten Sonntag war ich in der Ad Fontes-Gemeinde. Die haben auch echt gerockt. Langer Lobpreis mit Freiraum für eigene Anbetung inklusive Möglichkeit, prophetische Eindrücke weiterzugeben. Und in der Predigt ging‘s auch prompt darum, wie man Eindrücke prüft. Hab mich an dem Tag leider nicht noch mehr mit den Leuten unterhalten, weil ich spontan auf ne kleine Wanderung mit Elizabeth und Stefano, einem Schweizer, mitgekommen bin. Wir waren im Söderåsen Nationalpark. War echt voll schön! Wir hatten zwar ein paar Regenschauer, aber weil die Sonne geschienen hatte, gab‘s nen Regenbogen. Fette Show vom Aussichtspunkt aus.
    So, das war‘s für dieses Mal. Viel Spaß beim Lesen!

    Der Dieter

    * “Gewand“ ist der österreichische Begriff für Klamotten allgemein.

  • Kaviar und andere Besonderheiten

    Hejsan,
    die 2. Woche des Einführungsprogramms ist rum, und morgen fängt das Semester und mein Praktikum an.
    Am Montag hatten wir eine Welcome Reception, d.h. 2 ranghohe Vertreter der Uni und der Bürgermeister von Lund haben uns willkommen geheißen und bekräftigt, wie wertvoll wir in ihren Augen für den Ruf der Uni, bzw. die Stadt sind. Dazu hat ein Männerchor für uns gesungen. Echt schnieke Veranstaltung. Danach gabs noch ne kleine Party mit Kaffee und Süßigkeiten (die Zimtschnecken hier sind echt klasse!).


    Welcome reception

    Dienstags gabs ne besondere Sprachkursstunde mit je einer Vorlesung über akademische Integrität (ich darf also leider nicht abschreiben oder meine Ergebnisse frisieren, sehr schade), schwedische Literatur und schwedische Musik. Was die Literatur angeht, haben die Schweden einmal berühmte Kindersachen. Dazu gehören Pippi Langstrumpf und die anderen Geschichten von Astrid Lindgren, „Petterson und Findus“ von Sven Nordquist und „Nils Holgersson“ von Selma Lagerlöf. Frau Lagerlöf hat es dabei zu ziemlich großer Bekanntheit gebracht, man kennt sie auch in den USA und in Schweden sieht man sie auf jedem 20-Kronen-Schein (Auch wenn der Schein grade mal 2,50 € wert ist, ich mag das Motiv).


    20-Kronen-Schein

    Was ich noch nicht wusste, war, dass in Schweden zur Zeit der Industrialisierung zuerst die Arbeiter selbst über ihr Leben geschrieben haben und nicht die Intellektuellen oder Berufsliteraten. Das ist auch nicht schlecht. Die aktuelle Beststellerliste in Schweden besteht hingegen fast ausschließlich aus Krimis. Allen voran Stieg Larsson.
    Die Musikvorlesung war ein echter Brüller: Der Dozent war mit seinen langen Haaren und dem Vollbart schon mal ein echter Vorzeigeschwede. Und dann spielte er auch noch auf seiner Ukulele ein paar Lieder für uns zum Mitsingen. Herrlich! Abba haben übrigens auch Songs auf Schwedisch geschrieben, wovon wir auch einen gesungen haben. Und Europe (The Final Countdown) kommen auch aus Schweden! Aber über die diesjährige Eurovision-Songcontest-Gewinnerin hat er komischerweise nichts gesagt, fällt mir grad auf.
    Am Dienstagnachmittag gab es einen „Taste of Sweden“, das heißt wir durften schwedische Spezialitäten verkosten. Schwedischer Käse ist sehr lecker. Mit den Fischsachen (z.B. „Kalles Kaviar“) kann ich mich auch sehr gut anfreunden. Allerdings hab ich auch gehört, dass der Kaviar typisch schwedisch ist, weil vielen Nichtschweden das überhaupt nicht schmeckt, nichtmal ein Däne mochte das. Wie auch immer, die Schweden essen Kaviar traditionell zum Frühstück mit Ei und Knäckebrot, und ich mache mir das auch sehr gerne. Bin übrigens auf Knäckebrot umgestiegen, weil das hier besser schmeckt als das herkömmliche Brot. Die Scheiben sind auch dicker und stabiler als wie ich das von deutschem Knäckebrot kenne, von daher kann man das auch mit Butter bestreichen, ohne dass es zerbröselt.
    Kalles Kaviar
    Hab mir im Supermarkt auch ein Fertiggericht namens „Johanssons Frestelse“ besorgt. Das heißt auf Deutsch „Johanssons Versuchung“. Klingt unchristlich, ist es aber nicht: Pommes mit Fischfiletstückchen und Anchovis. Auch lecker. Die Köttbullar (sprich: Chöttbüllar), die Fleischbällchen mit Kartoffelbrei, mag sowieso jeder Nichtvegetarier. Nur mit der Preiselbeersoße find ichs etwas gewöhnungsbedürftig. Ein Nachtrag zu dem Leichtbier aus dem Supermarkt: Ich hatte mir dabei natürlich nicht nur eine Sorte gekauft. Das Budweiser, das in Deutschland so herrlich schmeckt, war hier eine echte Ernüchterung. Das Heineken und das Carlsberg hingegen waren auch mit nur 3,5% durchaus genießbar. Ich muss halt nur 2 davon trinken, um den Effekt von einem Standardbier zu erzielen. Was ja auch vorteilhaft sein kann.
    Am Mittwoch gabs die große Schnitzeljagd. Dabei mussten wir in unseren Mentorengruppen verschiedene Stationen abklappern und dort Aufgaben lösen. Dafür haben wir dann Buchstaben bekommen, die wir hinterher in nem großen Scrabble-Spiel einsetzen konnten, um Punkte zu ergattern. Es gab am Anfang nur das Problem, dass nicht alle Mentorengruppen richtig vertreten waren. So blieben einige übrig (darunter auch ich). Daraufhin sagte der Spielleiter: „Kommt mal alle hierhin zu dem Typen mit dem Lockenkopf, der ist echt wichtig heute!“ Und dreimal dürft ihr raten, wer damit gemeint war. Es wurden 2 neue Teams gebildet, wovon ich eins anführen durfte. Die anderen Gruppen waren durchnummeriert bis 40, also gab ich meinem Team die Nummer 100. Die andere neue Gruppe nannte sich „Team X“. Ich nahm die Karte in die Hand und wir gingen zu der ersten für uns ausgesuchten Station, der Helsingkrona-Nation. Dort mussten wir zu fünft auf Sommerskiern einen Parcours meistern. Bei der nächsten Station, der Krischan-Nation, die direkt nebenan lag, mussten wir ein paar Quizfragen lösen, die auf dem Nation-Gelände auf Zetteln verteilt waren. Dann pilgerten wir in den 4. Stock von Hallands Nation, wo wir getestet wurden, ob wir die Wochentage auf Schwedisch wissen. Genauer gesagt mussten wir den Veranstaltungskalender der Nation richtig zusammenpuzzeln. Auf dem Rückweg zum Start schauten wir noch bei Lunds Nation vorbei. Dort mussten wir uns auf Bierkästen einmal über das Volleyballfeld bewegen, wobei wir immer den letzten Kasten nach vorne durchreichen mussten. Und das im Wettbewerb gegen eine andere Gruppe. Wir verloren leider, bekamen also minderwertigere Buchstaben als die Gewinnergruppe. Das folgende Scrabble-Spiel lief in 2 Runden ab. Es durften nur englische Wörter gelegt werden, nur das Ausgangwort war irgendwas auf Schwedisch. In der ersten Runde legten wir JAZZ – High Score. In der 2. Runde wollte ich JEWISH legen, hatte aber kein H, also legte ich die andere Alternative, die ich hatte, JUNIOR. Auch nicht schlecht, auch wenns nicht zum Sieg reichte. Die Gruppe auf dem ersten Platz bekam einen großen Korb mit kulinarischen schwedischen Spezialitäten überreicht. Die anderen bekamen nichts. Aber es hat großen Spaß gemacht.
    Am Mittwochabend gabs im Innenhof meines Wohnheims ne Riesensause. Schonn seit Montag waren in der ganzen Stadt Gruppen verkleideter Studenten unterwegs mit lauter Musik und Gegröle. Jede Gruppe hatte ihr Thema: Es gab Schotten, Engländer, Franzosen, Japaner, Inder, Indianer, Australier in Gefängnisklamotten (in Anlehnung an den früheren Verwendungszweck dieses Landes) und solches mehr. Und am Mittwochabend waren sie wie gesagt im Innenhof meines Wohnheims und tanzten und tranken enorm ausgelassen. Das sah enorm lustig aus, also schnappte ich mir ein Bier aus dem Kühlschrank und ging runter. Ich brachte in Erfahrung, dass es sich hierbei um die Leute handelt, die jetzt dieses Semester ihr Studium anfangen. Sie sind dabei ähnlich wie wir Austauschstudenten in Mentorengruppen organisiert, die auch das Verkleidungsthema vorgeben. Die meisten Leute, mit denen ich sprach, waren sehr freundlich und offen, trotz (oder vielleicht auch gerade deswegen), dass einige so richtig hacke waren. Jedenfalls sprachen sie dadurch langsamer, weshalb ich mehr als sonst verstand, wenn sie Schwedisch sprachen. Hatte an dem Abend auch meinen „Jesus rocks“-Pulli an, was auch zu interessanten Situationen führte. Einer rief mir einfach nur zu: „Oh ja, das ist wahr!“, während ein anderer, der selber ein Taizé-Kreuz um den Hals trug, mir empfahl, auch mal dahin zu fahren (Taizé ist eine Art überkonfessioneller Pilgerort in Frankreich, wo auch regelmäßig ganz viele junge Christen hinfahren). Zum Glück zog die Meute dann aber gegen 11 in Clubs ab, so dass es hinterher wieder ruhig war und ich schlafen konnte.

    Am Freitag hatte ich die Prüfung von meinem Schwedischkurs. Die Regel in ner Prüfung an der Lunds Universitet ist, dass jeder mind. 1 Stunde sitzenbleibt, egal, wie lange er für die Prüfung braucht. Da diese Prüfung ziemlich einfach war, waren die meisten nach 20 min schon fertig und saßen die Zeit ab. Unsere Lehrerin sagte uns, dass letztes Jahr einer durchgefallen ist. Der oder diejenige ist wahrscheinlich aus irgendeinem Grund nicht zum Test erschienen, anders kann ich mir das nicht erklären.

    Am Samstag bin ich einem Tipp aus der Pfingstgemeinde gefolgt und hab bei Lidl (ja, gibt’s auch in Schweden) und bei Willy’s etwas eingekauft. Ist zwar ein recht weiter Weg bis dorthin, aber ich hab dort deutlich billiger eingekauft als im Coop bei mir in der Nähe.

    Sonntags war ich wieder in der Pfingstgemeinde. Diesmal war deutlich mehr Jungvolk da als letzte Woche (zur Erinnerung: das schwedische Semester fängt morgen an). Hab u.a. ein Mädel aus dem Småland getroffen, die mit mir nur Schwedisch geredet hat. Mit Absicht. Sie wollte mich zum Lernen motivieren. Die Konversation hat sogar erstaunlich gut funktioniert. Muss halt nur noch viel improvisieren dabei. Muss noch einiges an Vokabular und Grammatik draufkriegen. Aber bei sowas und im Alltag schnappt man schon einiges auf. Außerdem kann ich immerhin schon die wichtigsten Sätze:
    Jag kommer från Tyskland. – Ich komme aus Deutschland.
    Jag förstår inte. - Ich verstehe nicht.
    Vad sa du? - Was sagtest du?
    Kan du repetera det? – Kannst du das wiederholen?
    Vad heter det på svenska? – Was heißt das auf Schwedisch?
    Damit kann man sich schon ne Weile unterhalten.

    Sonntagnachmittag war ich im englischsprachigen Gottesdienst im Lunder Dom. Sehr ansprechende und berührende Lithurgie. Und die Atmosphäre dort find ich auch besonders. Die Größe des Gebäudes ist irgendwie ehrfurchtgebietend. Außerdem hängt dort immer ein angenehm-würziger Duft in der Luft. So gibt schon die Gestaltung des Raums einen Eindruck vom Charakter Gottes. Find ich gut.

    So langsam sind auch meine anderen Mitbewohner eingetrudelt. Wir sind 6 Leute auf dem Korridor, davon 2 Mädels. Mit Petter hatte ich letztens ein voll schönes Gespräch. Er fragte mich, wo ich am Freitagabend hingehen würde, und ich sagte, zum Gebetstreffen in der Pfingstgemeinde. So kamen wir aufs Thema Glauben. Dabei erfuhr ich, dass der Zettel mit dem Kreuz von ihm kam. Nicht aber weil er Christ wäre. Er hat‘s einfach mal so irgendwann aus Spaß an der Freude gemalt. Ob ich das anstößig fände, fragte er mich. Ich verneinte das. Er sagte mir, dass der Glaube hier nicht allzu sehr verbreitet wäre, und ich erzählte ihm von der Lage in Ostdeutschland. Er war auch sehr überrascht davon, dass ich nicht christlich aufgewachsen bin. Ich erzählte ihm, wie es dazu kam, wie es mir mit dem Glauben im Studium gegangen ist und welche Rolle der Gedanke „Schöpfung vs. Evolution“ für mich spielt. Wer das jetzt liest und Christ ist, darf gerne für mich beten, dass sich noch mehr solcher Gelegenheiten ergeben.
    Mit Tobi hatte ich aber auch interessante Gespräche anderer Art. Nach dem Besuch seiner Freundin fragte er mich, ob ich daheim eine Freundin hätte. Ich verneinte das. Darauf sagte er mir: „Ich kann‘s dir nur empfehlen. Seit ich sie habe, bin ich viel weniger einsam.“ Darauf guckte ich ihn verwundert an. Er sagte: „Was? Boah, ihr Deutschen seid echt komisch!“ Ich: „Aber mir hat noch niemand so explizit empfohlen, eine Freundin zu haben!“ Er: „Ach so, weil‘s einfach selbstverständlich ist. OK. Aber die Leute sind trotzdem eher distanziert zueinander.“ Tja, schön, eine ehrliche Meinung über das eigene Land zu hören.
    Ein anderes Mal sah auch er meinen „Jesus rocks“-Pulli und er sagte darauf: „Du glaubst wirklich an Jesus?! Guck doch mal, wie es heute früh geschüttet hat! Kann ein guter Gott das zulassen?“ Ich: „Du nimmst mich auf den Arm.“ Er: „Ja!“ Mit diesem Mann werd ich bestimmt noch viel Spaß haben.
    Tja, soweit, so gut für heute. Wird bestimmt noch mehr Spannendes zu erzählen geben. Bis zum nächsten Mal.

  • Vom Deutschen, der nach Schweden zog, um Deutsche zu treffen

    Hejsan,
    nun bin ich also in Schweden angekommen. Über 13 Stunden hat die Busfahrt durch Nacht (ohne Nebel) gedauert und dann musste ich auch noch mein Gepäck (2 große Koffer und mein großer Rucksack) erst zum Housing office und dann ins Wohnheim schleppen. Dafür hat sich das Krafttraining, dass ich ab und an gemacht hab, gelohnt.
    Mein erster Kontakt zu einem Schweden war zu dem Zollbeamten, der unseren Bus nach Drogen u.ä. untersuchte. Ein freundlicher Zeitgenosse. Im Housing office war schon ganz schön was los, als ich ankam. Also zog ich eine Nummer und unterhielt mich mit ein paar Deutschen, die auch warteten. Der Kontakt war schnell gut geknüpft. Wir tauschten Handynummern aus und trafen uns am Abend zum Essen und ner Erkundungstour durch Lund.
    Diese Stadt hat nen enorm hohen Wohlfühlfaktor. Viel Grün (das heißt Bäume überall, nicht nur in den Parks), schöne Häuser, wie z.B. das Unihauptgebäude auf dem Bild.
    Uni-Hauptgebäude
    Mein Zimmer finde ich auch sehr klasse. 17 qm, ein Riesenfenster und ein Riesenschreibtisch. Toilette und Waschbecken habe ich für mich allein, Dusche und Küche teile ich mit den anderen Leuten in meinem Korridor. Außer mir und einem Chinesen handelt es sich offenbar bei allen meinen Mitbewohnern um Schweden. Von denen habe ich aber bis jetzt nur 4 kennengelernt, weil die anderen noch nicht aus den Ferien zurück sind. Wobei ein Mädel am Samstag selber für ein Semester Richtung USA abgereist ist und ich ihre Nachfolgerin noch nicht kennen gelernt habe. Also noch viel Überraschungspotential.
    Tobias kam für mich daher wie ein typischer Querdenker, er ist Mitglied in der schwedischen Piratenpartei. Viktor ist ein echt angenehmer Zeitgenosse, ziemlich herzlicher Typ. Könnte glatt auch ein Christ sein. Irgendwer muss ja den Zettel mit dem Kreuz und die Reklame von der Heilsarmee an die Pinnwand gebracht haben. Xiaoxiao (sprich: Chauchau) hingegen ist eher ein stillerer Typ, redet auch ziemlich leise. Er arbeitet auch in der Biologie, wir werden uns also noch öfters über den Weg laufen.

    Am Dienstag war der offizielle Ankunftstag für die Austauschstudis. Und das waren auch nicht gerade wenige. Dort bekamen wir Unterlagen mit u.a. den Zugangsdaten zum Uni-W-LAN, E-Mail-Account und unsere LU-ID-Nummer. Wir bekamen ein cooles Studentguideheft, wo vom Fahrradladen bis zur christlichen Kirche alles verzeichnet und erwähnt war, was man als Student so wissen muss. Außerdem bekamen wir SIM-Karten von 2 Handyanbietern und konnten uns Karten für verschiedene Events besorgen (einen Besuch bei IKEA und in einem schwedischen Restaurant, eine Tour durch die nähere Landschaft Österlen und die Willkommensparty). XXXLutz hatte eine Delegation aus Malmö geschickt, um uns mit stark vergünstigtem Bettzeug zu versorgen. Und wir konnten uns bei Studentlund anmelden.

    Studentlund ist eine für Lund recht einzigartige Geschichte. Studentlund besteht aus der Akademiska Föreningen (akademische Gesellschaft), den Student Unions und den Student Nations. Diese 3 Vereine organisieren im Prinizip das ganze studentische Leben in Lund. Die AF führt u.a. eine Kunstsammlung, studentisches Theater, Poesielesungen, Radio, Studenteninfo und Partyplanung. Außerdem stellt die AF die studentische Vertretung bei AF Bostäder, einem der größten Anbieter von Studentenwohnungen in Schweden. Die Student Unions bestehen aus je einer Gruppe pro Fakultät und einer Doktorandenvereinigung. Die Unions vertreten studentische Interessen gegenüber der Uni und ihren Instituten, der Stadt Lund und der Region Skåne. Die Nations kümmern sich hauptsächlich um die Freizeitgestaltung. Sie betreiben Pubs, Clubs und bieten Mahlzeiten zu studentischen Preisen an, dazu Aktivitäten wie Sport oder Chor. Außerdem organisieren sie Feste wie Neujahr, Dinners und Bälle. Welcher Nation man beitreten will, kann man sich aussuchen. Ist man in einer Nation Mitglied, kann man aber im Prinzip auch zu jeder anderen Nation in den Pub gehen oder etwas essen (was auch gut so ist, da es hier keine Mensa wie in Deutschland gibt). Außerdem bietet jede Nation auch Unterkünfte an, was bei der Wohnungslage in Lund auch Not tut. Bei den Nations bekommt man auch "Fika". Das hat nichts mit Prostitution o.ä. zu tun. Fika ist in Schweden das, was wir in Deutschland als Kaffeetrinken oder Vesper bezeichnen. Kaffee und Kuchen halt (das was der Deutsche jedoch als erstes beim Wort "Fika" denkt, nennt man in Schweden "knulla", gesprochen "knülla").

    Am Nachmittag des Ankunftstages habe ich mir ein gebrauchtes Fahrrad gekauft, weil ich mich ohne sehr schnell immobil gefühlt habe. Ein Händler empfahl mir die "Cykelfabrik" und dort fand ich das Rad meiner Träume: 7-Gang-Nabenschaltung, Bremse vorn und hinten, vorne Dynamo-Licht, hinten mit Batterie, Mountainbike-Look, eingebautes Schloss und dazu Top-Zustand, fast gar kein Rost. Die Mühle war ihre 1000 Kronen (etwa 125 €) wert.
    Abends gabs noch ne Feier für die Neuankömmlinge. Habe dort noch mehr Deutsche kennengelernt. Und einen Chinesen, der in seiner Heimatstadt Peking fast direkt neben der Verbotenen Stadt wohnt.

    Mittwoch gabs ne große Einführungsvorlesung. Jedes Thema wurde von einem jeweiligen Spezialisten erläutert. Der IT-Mensch sagte alles über Internetzugang in Lund, eine Krankenschwester alles über Gesundheitsversorgung hier, der Studentenkaplan bot Kontakt zu Gemeinden und Seelsorge an. Die Krönung zum Schluss: Patrick, der Polizist. Was für eine Rampensau. Gegen ihn und seine 350 Freunde wird niemand eine Schlägerei gewinnen, verkündetete er. Er unterbreitete uns aber auch ein großzügiges Angebot: Man muss sich nur betrunken (optional auch nackt) nachts auf die Straße stellen und schon bekommt man eine kostenlose Unterkunft für eine Nacht bereit gestellt. DER Tip für diejenigen, die noch nichts anderes gefunden haben.
    Danach musste man nur die Treppe runtergehen und man kam zum Infomarkt. Dort waren u.a. die Nations und einige christliche Studentengruppen mit einem Stand am Start, der perfekte Ort also zum Kontakteknüpfen im Gedränge. Außerdem konnte ich dort einen kostenlosen Surfstick von Comviq abfassen, dem ich nun meinen Internetzugang im Wohnheim verdanke.
    Abends um 6 gabs die erste Stunde Sprachkurs. Unsere Lehrerin sprach seehr laaangsaaaam. Für Asiaten z.B. ist das sehr vorteilhaft, denn die haben ganz schöne Probleme mit der Aussprache. Ich dagegen fühle mich dabei etwas unterfordert, was wahrscheinlich auch an der Vorbildung liegt, die ich mir in Deutschland gegeben hatte.

    Donnerstags gabs das erste Treffen mit meiner Mentorengruppe. Unsere Mentoren waren 2 fitte Schweden, die uns etwas auf dem Campus rumgeführt haben und uns für alle möglichen Fragen zum Studentenleben hier zur Verfügung stehen. Auch in der Mentorengruppe waren einige Deutsche. Sogar eine aus Halle und einer aus Dresden. Die meisten anderen Deutschen, die ich so getroffen habe, kamen eher aus dem Süden, vor allem aus Bayern. In der Gruppe fand sich aber auch eine Katholikin aus Hongkong. Es gibt offenbar nichts, was es nicht gibt.

    Freitags absolvierte ich nach dem Sprachkurs meine erste Einkaufstour, in der ich kein Wort englisch sprach. Das fand ich enorm ermutigend. Und das, obwohl der Einkauf hier teurer ist als in Deutschland. Habe mich aber auch gut zurecht gefunden. Gibt schließlich viele Ähnlichkeiten. Die Gefriertruhe mit dem Geflügel z.B. ist mit "Vogel" überschrieben, bloß in einer anderen Schreibweise. Außerdem gibt es dort ein riesiges Süßigkeitenregal, in etwa wie ein Stand mit gebrannten Mandeln auf dem Jahrmarkt. Man kann sich da auch so viel abfüllen, wie man möchte. Wahrscheinlich gibts das als Ersatz für den fehlenden Alkohol. Es gibt zwar ein Regal mit "Bier". Aber das hat, wenn überhaupt, nur 2,5-3,5%. Wenn einer von euch mal in Schweden ist, dann lasst bloß die Finger davon! Dieses Leichtbier schmeckt wie Wasser mit etwas Biergeschmack. Eine Beleidigung für einen deutschen Biergenießer. Das richtige Bier gibts hier nur im "Systembolaget", dem staatlichen Schnapsladen. Da dessen Öffnungszeiten nicht mit denen des Supermarkts vergleichbar sind (der sogar am Sonntag bis abends um 9 auf hat), muss man hier seinen Alkoholeinkauf besser planen als in Deutschland.

    Am Freitagabend war ich beim Gebetstreffen der internationalen Gruppe der hiesigen Pfingstgemeinde. Da fast alle dort Afrikaner waren, ging es da auch entsprechend zu. Das war nicht zu vergleichen mit der deutschen Gebetskultur, wo es meistens ruhig ist und nur einer auf einmal laut betet. Pro Gebetsanliegen beteten alle gleichzeitig etwa 5-10 min lang (oder länger), manche lauter, manche leiser, aber es war alles andere als still dabei. Ich habe es dennoch sehr genossen. Ich weiß, dass einige meiner christlichen Freunde sich darüber wundern werden, weil ich sonst im Gebet immer für einen ruhigeren und geordneteren Ablauf plädiert habe. Aber Gott war dort einfach gegenwärtig und die Freude seines Geistes deutlich spürbar. Das habe ich einfach gebraucht nach den letzten Tagen.

    Am Samstag habe ich die Tour durch Österlen gemacht, die ich am Dienstag gebucht hatte. Und viele andere mit mir. Unsere erste Station war Stenshuvud, ein kleiner Nationalpark an der Ostküste.
    Stenshuvud WaldFischerhaus in Stenshuvud
    Der nächste Halt war Glimmingehus. Glimmingehus (Hus bedeutet Haus) war im 15./16. Jahrhundert ein militärisch befestigtes Gutshaus. Eine mittelalterlich gekleidete und sehr kompetente Frau gab uns eine Führung durch das Haus.
    Die 3. Station war ein Fischerdorf namens Kåseberga, wo wir uns Ales Stenar angeguckt haben (zu deutsch Ale's Steine, eine große schiffsförmige Anordnung von 59 großen Granitsteinen). Da es in der näheren Umgebung keinen Granit gibt, mussten diese Steine über 200 km bis an diesen Ort transportiert werden. Man hat die also nicht nur aus Spaß an der Freude dahinverfrachtet. So hat es uns zumindest unsere Führerin erklärt, eine etwas verrückte Schwedin mit viel Leidenschaft für diese ihre Heimatregion.
    Der letzte Halt vor der Rückreise nach Lund war Ystad. Dort hatten wir dann eine reichliche halbe Stunde Freizeit. Verwöhnt durch die Führungen waren wir dann dort bloß ziemlich orientierungslos.
    Auf der Tour lernte ich u.a. ein paar Chinesen und eine Taiwanesin kennen. Eine Chinesin erzählte mir, dass, weil chinesische Namen so schwer für Nicht-Asiaten auszusprechen sind, jeder sich dort einen englischen Namen aussuchen kann. Ihrer war Fin.
    Zurück in Lund wartete abends eine Partynacht auf mich. Ich war in der Wohnung einer deutschen Bekannten. Wir waren dort erst gar nicht viele, vielleicht 8 Mann.
    DJ Axel
    Aber nachdem Axel (der Schwede da neben mir) ankam sein DJ-Equipment auspackte, rockte die Mucke schonmal ganz schön. Und fast wie auf Absprache kamen auf einmal noch ein ganzer Haufen Leute rein und dann gings richtig ab. Waren auch echt coole Leute, u.a. viele Franzosen und ein paar Japanerinnen.

    Heute war ich im Gottesdienst der Pfingstgemeinde. Ich war an dem Tag nicht der einzige Neue: Der neue Pastor wurde eingesegnet und hielt seine erste Predigt über die "Kirche, nach der man sich sehnen kann". Diese Kirche ist warmherzig und heißt jeden herzlich willkommen, egal ob neu oder alteingesessen, gläubig oder nicht. Sie weckt die Leidenschaft ihrer Mitglieder und fördert deren Gaben. Und das soll letztendlich den Bedürfnissen der Menschen in ihr und um sie herum dienen. So die Kurzfassung. Viele Leute sagten etwas zur Einsegnung und hießen ihn willkommen, auch der Regionalleiter der Pfingstkirchen in Skåne war da und sogar der Studentenkaplan, der ja von der Landeskirche ist (zu erkennen am weißen Streifen im Kragen). Es gab dort auch nen echt schönen Übersetzungsdienst, den man über Funkkopfhörer hören konnte. Den Lobpreis konnte ich aber auch komplett auf schwedisch mitsingen, das ging echt flüssig. Bei den meisten Liedern stand der englische Text drunter, so dass ich auch alles verstanden hab. Das war schon cool. Was die Herzlichkeit angeht, hätte der Pastor heute eigentlich nicht drüber predigen müssen. Die haben mir auch so schon nen sehr warmen Empfang gegeben, sowohl am Freitag als auch heute. Die ersten paar Worte hab ich mit den meisten sogar schwedisch geredet. Teilweise ziemlich holprig, aber hat Spaß gemacht. Ich hab mich auch schon für den nächsten Sprachkurs angemeldet, der kommt, wenn der Anfängerkurs vorbei ist (am 31.8. ist die Prüfung).
    So, soweit die erste Woche. Mensch, schon ganz schön viel. Aber fetzig is es. Fortsetzung folgt...

  • Macht Gott Angst?

    Auf der Homepage www.kirchensumpf.to ist unter dem Titel "Religionsunterricht ist Betrug an unseren Kindern" zu lesen:
    "Im Religionsunterricht wird den Kindern die Existenz eines barmherzigen - gütigen - strafenden [...] Gottes eingeredet, der über ihr Leben bestimmt und mit Hilfe der Aussicht auf Paradies - Hölle - Fegefeuer - ewiger Verdammnis [...] wird Angst in die Köpfe der Kinder gepflanzt und sie werden so gefügig gemacht für sexuelle Unterdrückung und Gehorsam gegenüber der Obrigkeit."
    Was ist davon aus biblicher Sicht zu halten?

    Im 5. Mose Kap. 6 Vers 13 steht: "Den HERRN, deinen Gott, sollst du fürchten und ihm dienen."
    Dazu sagt Gott sagt durch den Propheten Zefanja (Kap. 3, 7): "Ich sprach: Gewiss wirst du mich fürchten, wirst Zurechtweisung annehmen! Und ihre Wohnung würde nicht ausgerottet werden - alles, was ich über sie verhängt habe."
    Dem gegenüber steht im selben Buch (Kap. 3,16f.) Folgendes: "Fürchte dich nicht, Zion, lass deine Hände nicht erschlaffen! Der HERR, dein Gott, ist in deiner Mitte, ein Held, der rettet."
    Und Johannes schreibt in seinem 1. Brief (Kap. 4, 18): "Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus; denn die Furcht rechnet mit Strafe. Wer sich aber fürchtet, der ist nicht vollkommen in der Liebe."

    Mit "Gott fürchten" kann also vor allem angesichts dessen, was Johannes gesagt hat, keine lähmende Angst gemeint sein. Besonders kann damit keine Angst gemeint sein, die unfähig macht, gegen Unrecht aufzustehen. Denn gerade aus Gottesfurcht haben die Propheten des Alten Testaments ihre Stimme gegen Ungerechtigkeiten erhoben, weil sie wussten: "Das, was da abläuft, findet Gott zum Kotzen, und ich bin von ihm beauftragt, das zu sagen."
    Was aber meint dann das Gebot, Gott zu fürchten? Ich denke, es heißt, Gott zu respektieren, seine Autorität zu akzeptieren und ihn entsprechend zu würdigen. Das hieß aber auch an vielen anderen Stellen in der Bibel für die jeweiligen Leute nicht, schlotternd in der Ecke zu sitzen und sich vor Gottes Peitsche zu fürchten. Im Gegenteil: Gott hat seinen Leuten immer wieder Mut gemacht, mit Überzeugung und Sicherheit für Gottes Gerechtigkeit einzutreten. Gott zu fürchten heißt also nicht ängstlich, sondern mutig zu sein.
    Wer also im Religionsunterricht oder sonstwo so einseitig predigt und dabei die Barmherzigkeit und Vergebung Gottes ausklammert, der versündigt sich an seinen Zuhörern, weil er die gute Botschaft Jesu unvollständig rüberbringt und die Leute an sich (wie ein Guru) bindet und dadurch unfrei macht, statt sie an Gott zu binden, der sie frei macht. Gott wird solche Leute dafür zur Rechenschaft ziehen.
    Was ist nun aber, wenn ich etwas Bestimmtes getan habe oder gar generell so lebe, dass Gott das scheiße findet? Dann kommt es auf meine Einstellung dazu an. Wenn ich das ändern will, es aber schwer fällt, kann es sein, dass Angst und Zweifel daran aufkommen, ob Gott mich wirklich angenommen hat. In diesem Fall ist jede Angst unberechtigt, denn wenn ich mich ändern will und Gottes Vergebung suche, wird Gott sie nicht vorenthalten und jeden Zweifel daran ausräumen. Das habe ich so erlebt.
    Wenn ich mich aber nicht ändern will und meine Sünde gut finde, steuere ich zwar auf den Abgrund zu. Aber keine noch so eindringliche "Höllenpredigt" wird mich dann beeindrucken, wenn Gott nicht ein Wunder tut und "etwas rabiat" wird (wie bei Paulus zum Beispiel, nachzulesen in der Bibel: Apostelgeschichte 9, 1-18). Ein solcher Mensch hat mit Angst vor Gott gar kein Problem. Das habe ich bei einigen Leuten auch so empfunden.
    Fassen wir also zusammen: Wenn jemand wirklich Angst vor Gott hat, wird Gott ihm mit seiner Liebe begegnen und ihm Mut machen. Wenn jemand aber vor Gott keine Angst und auch keinen Respekt hat, kann es sein, dass Gott ihm gegenüber unbequem wird. So war es z.B. bei Paulus. Aber danach war Paulus kein Angst getriebener Mensch, sondern ein von der Liebe und Barmherzigkeit Gottes Getriebener. Darum sage ich, dass Angst vor Gott niemals ein Dauerzustand ist.

  • Kreationismus

    Ein Freund, dem ich von meinem Blog schreib, antwortete, dass er sich "auf Beiträge mit kreationistischen Tendenzen freue". Dem komme ich doch gerne nach.
    Die meisten Menschen verbinden mit dem Begriff "Kreationismus" vermutlich Sturheit, Intoleranz, Rückständigkeit und Blindheit für angeblich offensichtliche Beweise. Ich dagegen verbinde Kreationismus hauptsächlich mit Hoffnung.
    Denn welchen Sinn hat denn dieses Leben, wenn alles bloß ein großer Zufall ist?
    Ich möchte an dieser Stelle aber, bevor meinen Senf dazu gebe, etwas differenzieren und mit einem weit verbreiteten Missverständnis aufräumen: Dem Unterschied zwischen Lebenssinn und Lebensinhalt. Denn viele Menschen sagen, sie würden z.B. in ihrem Beruf oder ehrenamtlich vielen Menschen helfen und dazu wären sie auf der Welt. Nun bleibt dabei aber ungeklärt, welchen Sinn das Leben der Nutznießer wohltätiger Arbeit denn hat, dass es es wert wäre, in sie zu investieren.
    Egal, welchen Lebensinhalt man sich gibt, es bleibt stets die Frage, warum ich mein Leben denn überhaupt mit irgendwas füllen muss. Denn wenn man nicht einmal an irgendeine höhere Macht glaubt, die mit dieser Welt und den Menschen irgendein Ziel verfolgt, bliebt nur zu sagen, dass das Leben überhaupt keinen Sinn hat. Und die Erkenntnis, dass das eigene Leben sinnlos ist, hat schon einige Menschen in den Selbstmord getrieben.
    Andere wiederum bezeichnen die Sinnlosigkeit des Lebens als Freiheit. Dabei bezweifle ich aber, ob die Freiheit, sich selbst durch verschiedene sündige Verhaltensweisen zu zerstören und an der wirklichen Erfüllung des Lebens vorbeizuleben, wirklich erstrebenswert ist.
    Aus all den oben genannten Gründen verbinde ich Kreationismus mit Hoffnung. Denn die Erkenntnis, dass Gott die Welt geschaffen hat, sich in sie investiert und sie mit ganzem Herzen liebt, vermittelt echte Freiheit. Denn habe ich das verstanden, weiß ich, dass auch meine tiefsten inneren Sehnsüchte erfüllt werden. Und ich weiß, dass ich nicht umsonst auf dieser Welt bin. Gott hat mich bei meinem Namen gerufen (Jesaja 43, 1), und ich bin von ihm geliebt, gekannt und geborgen.
    Das ist für mich die Kernbotschaft des Kreationismus. Ob Gott die Welt nun in 6 Tagen oder zig Millionen Jahren geschaffen hat, ist aus meiner Sicht fürs erste irrelevant. Darüber kann ich immernoch später reden, wenn mein Gesprächspartner erstmal verstanden hat, dass er/sie von Gott geliebt ist und dass sein/ihr Leben einen Sinn hat.

    Für die, die trotzdem meine Meinung dazu hören wollen: Gott begründet in 2. Mose 20, 11 das Sabbatgebot damit, dass er selbst die Welt in 6 Tagen schuf und am 7. Tag ruhte. Würde man nun die Tage auch hier als Millionen von Jahren auffassen, hätten wir eine ziemlich merkwürdige Woche. Damit bestätigt die Schrift selbst die wörtliche Auslegung des Schöpfungsberichts.

  • Alter, deine Mutter!

    Ein Freund von mir, der mit mir zusammen Biochemie studiert, ließ in den letzten Tagen recht oft so einen "Deine Mutter"-Spruch vom Stapel. Das hat mich zu folgendem kleinen Text bewegt:

    Alter, deine Mutter ... ist eine super Frau!
    Denn deine Mutter hat dir das Leben überreicht.
    Deine Mutter ist eine starke Frau.
    Denn deine Mutter hat auf vieles verzichtet für dich.
    Deine Mutter gab dir dein erstes Futter.
    Deine Mutter gab dir Geborgenheit.
    Deine Mutter hat den Nobel-Preis verdient (mindestens).
    Denn deine Mutter hat etwas in die Welt gebracht, was unendlich viel kostbarer ist, als jede Erkenntnis: Dich.
    Deine Mutter hat dich sehr lieb.
    Und deine Mutter ist ein großes Zeichen der Fürsorge Gottes für dich.

  • Hallo erstmal...

    Servus,
    tja, per Einladung der lieben Familie Ott (Freunde von mir) bin ich jetzt hier angemeldet, und weil ich dachte, das gehört sich hier so, hab ich auch nen eigenen Blog aufgemacht.
    Wer das hier liest, muss sich erstmal auf Folgendes einstellen: Jesus Christus ist mein Lebensmittelpunkt. Demzufolge wird es im Blog oft um ihn oder mit ihm zusammenhängende Themen (also so ziemlich das ganze Leben) gehen. Wer sich daran ärgert, dem kann ich nur sagen, dass es mir leid tut, aber ich kann nun mal nix daran ändern, dass Jesus Gott ist und mich mit unfassbar großer Liebe geliebt hat und ich deswegen nicht anders kann, als mein Leben ihm zu widmen. Wer sich aber darüber freut, den mögen meine Beiträge in seiner Beziehung zu Gott bestärken und ermutigen.
    Viel Spaß.

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